Heßler & Blomann

"...ein postmoderner Klang, frech, bizarr, klassisch angehaucht (...). Eine Musik zwischen den ( Stil-) Stühlen" (WAZ Gelsenkirchen vom 30.7.94).

"Das Komponisten/Interpreten-Gespann Blomann/Heßler hat (...) eine Musik-Ästhetik entfaltet, die wohl an das erinnert, was als (musikalische) Postmoderne im Schwange ist: (...) Systemlosigkeit ist das Programm, in dem wieder alles erlaubt ist. (...) eine fast hysterische Spielwut gehen eine Allianz der musikalischen Branchen und Idiome ein (...). Grenzüberschreitungen der dritten Art also: aufregend, irritierend, jederzeit voller Überraschungen" (WAZ Gelsenkirchen vom 17.11.92).

"...die drei Ensemblemitglieder Ulrich Blomann, Joachim Heßler und Gesine van der Grinten überschreiten ganz bewußt die Grenzen zwischen den Sparten (...) Auf dem Krefelder Festival Gang-Artgefiel der Jury die Grenzüberschreitung (...) so gut, daß den Newcomern der zweite Preis zugesprochen wurde" (Hans-Jörg Loskill in der Westfälischen Rundschau vom 6.12.91).

"Das ist ein ständig changierender Klangprozeß (...) Irritationen sind gewünscht, Schalk blitzt aus Tonballungen, Knäuel werden geschickt und witzig entwirrt" (WAZ Gelsenkirchen vom 12.11.91).

"Das Gesamtkonzept überzeugt deshalb, weil es sich auf keine oberflächliche Stilmischung einläßt. Ich höre Zitate, aber keine Beliebigkeit des Zitierens, sondern eine recht einheitliche Beschäftigung mit verschiedenen Stufen europäischer solistisch-vokaler Komposition... " (Wolfram Knauer im Jazzpodium vom Januar 1995).

"Neue Musik will das Ab-Art Ensemble machen, ohne dabei einen puristischen Anspruch zu vertreten, der manchen Avantgarde-Komponisten anhaftet. (...) Manchmal verbindend, manchmal auch als krasser Widerspruch zu den Saxophon- und Vokal-Stimmen wirkte das Pianospiel Joachim Heßlers. Wenn Heßler seine beiden Mitspieler begleitete, gab er den freitonalen Solo-Stimmen mit stark rhythmischen Spiel ein Fundament; in anderen Stücken jedoch klang das Klavier völlig gleichberechtigt" (Hertener Allgemeine vom 31.10.92).

"Die Mezzo-Sopranistin Gesine van der Grinten begab sich mit dem Pianisten Joachim Heßler und Ulrich Blomann am Saxophon auf einen reizvollen musikalischen Grenzgang. (...) Die ausschließlich selbst geschriebenen Stücke bildeten mit abwechslungsreichen Klangfarben in ihren streng durchkonzipierten Formen einen interessanten Gegenpol zum zweiten Konzert des Abends" (Mainzer Rhein-Ruhr-Zeitung vom 12.4.94 ).

"Dabei lohnte sich der Besuch der einstündigen Veranstaltung des Ab-Art Ensembles aus doppeltem Grund. Zum einen, weil Gesine van der Grinten, Ulrich Blomann und Joachim Heßler in den Kompositionen von Blomann und Heßler sich als Musiker von hoher Ausdrucks- und Gestaltungskraft mit sympathisch musikalischem Gefühl erwiesen. Zum anderen, weil die vorgetragenen Stücke (...) reizvolle Kombinationen (...) aus durchkomponierter Form (...) enthielten. (...) Joachim Heßlers leidenschaftliches Melancholie und Trance und das hymnische Erwachen (...) und seine Solokomposition für Klavier Ballade Nr. 1 - Ritmico fesselte durch energischen Vortrag und theatralische Dramatik" (Westfälisches Volksblatt vom 7.11.94 anläßlich der Tage Neuer Musik in Paderborn).

"Neue Wege in der modernen zeitgenössischen Musik zu gehen, sich vom rigiden Stildogmatismus einer selbsternannten Avantgarde zu verabschieden und Grenzüberschreitungen (...) zu wagen, dieser sicherlich nicht leichten Aufgabe stellte sich das Ab-Art Ensemble in der städtischen Galerie Paderborn. (...) In ihrem Konzert im Rahmen der Veranstaltungsreihe Tage Neuer Musik gaben drei Musiker ein anschauliches und anhörbares Beispiel, wie sich anscheinend fremde Musikepochen und -richtungen zusammenführen lassen. (...) Begibt man sich auf neue, unbetretene Pfade, besteht für den Komponisten und den aufführenden Künstler immer ein besonderes Risiko gegenüber den kritischen Zuhörern. Das Ab-Art Ensemble meistert dieses Wagnis auf eigene Art und Weise. Obwohl es sich in fast satirisch strenger Mimik und Gestik an die üblichen klassischen Gepflogenheiten hielt, bewegten sich die drei Musiker in ungewohnte und überraschende Klangszenarios hinein. (...) Gleichzeitig oder auch abwechselnd zerlegte Joachim Heßler am Flügel die harmonsichen Überbleibsel in fremdartig klingende Sequenzen. Aus dieser abstrakten und disharmonischen Klangwelt wieder in eine Sphäre voll ergreifender harmonische Schönheit zu finden, war für das Publikum ein sicher nicht erwartetes Klangerlebnis. Dem Zuhörer bleiben mit dieser Veranstaltung vielfältige Möglichkeiten für ein neues Musikverständnis offen. Es ist hier ebenfalls deutlich geworden, daß ein Überschreiten der Grenzen sich nicht in einem Klangwirrwarr zu verlieren braucht" (Neue Westfälische vom 7.11.94).

"Die Komponisten und Musiker Ulrich Blomann und Joachim Heßler brachten unter Mitwirkung des Tenors Wolfram Wittekind und Tom Megas Vertonungen von Texten Jahnns zur Aufführung. In diesen wird die Singstimme äußerst ariös geführt. Die Klavierbegleitungen vermeiden das Tonale nicht. (...) Neben einem Gesang, der zuweilen wie Palästrina abgehört erscheint, ertönt der martialische Sprechgesang Megas" (WAZ Herne 14.9.93).

"Die reizvolle Kombination und der vielfältig variierte Einsatz von Saxophon, Klavier und Stimme, auch in den Werken Erwachen und Im Abgrund von Joachim Heßler, demonstrierten das Gespür des Komponisten für Formen und Klangfarben" (Ruhr-Nachrichten Bochum vom 20.10.92).

"Die (...) Musik des Ab-Art-Ensembles (...) verdichtete die ohnehin düstere Atmosphäre. Und dann, beim Rausgehen, draußen vor den Toren des Prinz-Regent, war noch Tageshelle. Aber eine getrübte" (Claudia Hantrop in der WAZ Bochum vom 14.11.94).

"Grenzen klassischen und modernen Musikverständnisses riß das Ab-Art Ensemble in seinem Konzert im Schloßsaal ein. Musik bedeutet Gesine van der Grinten, Joachim Heßler und Ulrich Blomann weniger Schönheit und Harmonie, sie führten in ihrem einstündigen Vortrag das Chaos in den Klang ein. (...) Die drei studierten Musiker entspannen Klangszenarien, die dem Geist des Zuhörers bedrohlich nahegehen. Pianist Joachim Heßler entfacht archaische Allegros auf seinen Tasten, die plötzlich von schrillen Saxophon-Salven zerrissen werden und darüber thront ein expressionistischer Gesang, dem der mächtige Mezzo-Sopran Gesine van der Grintens starke Ausdruckskraft verleiht. Doch den Trommelfell-strapazierten Passagen folgen etwa harmonische Klavier-Soli, die wie ein stillfließender Fluß den aufgeschreckten Zuhörer beruhigt" (WAZ Herten vom 31.10.92).

"In diffuser Verschränkung, offensichtlicher Parallelführung oder blockhafter Kontrastierung kleiden sich verschiedene Stilelemente in ein Gewand, das zum Großteil aus dem Stoff andächtig-klagender Melancholie gewoben ist. Dunkler, arioser Gesang, von sparsamen Saxophonläufen kontrapunktiert, bewegt sich elegisch schreitend oder in wenigen Tonsprüngen, sei es sakral-gregorianisch oder in Wiener-Schule-Gestus, über Klavierklängen, die Spätromantik und sanfte Atonalität aufblitzen lassen" (WAZ Herne vom 14.10.1992).



Heßler & Kanty

"Das [...] vorgestellte Stück [Kaleidoskop #1] lebt zum großen Teil von der Improvisation der beiden Musiker, die bestens harmonierten. [...] Wenn man die Mittel der Klangerzeugung bei Joachim Heßler als ungewöhnlich beschreibt, dann bleibt für das Spiel Hans-Jürgen Kantys nur noch das Adjektiv ›abgedreht‹ übrig. [...] Dabei wirkte die volle Hingabe etwa bei seinen Vokal-Improvisationen oder seine Version eines natürlichen Leslie-Effektes (ein etwa ein Meter langer Schlauch, durch den er sang, während er das andere Ende schnell kreisförmig durch die Luft wirbelte) teilweise sehr erheiternd und die [...] Besucher konnten sich oft ein Lächeln nicht verkneifen. Auf der rein technischen Seite waren beide Musiker über jeden Zweifel und jedes Lächeln erhaben. Wer die furiosen [...] Hochgeschwindigkeits-Soli [...] mitverfolgte, dem wurde schnell klar, dass man es hier mit zwei excellenten Musikern zu tun hatte" (Dorstener Zeitung vom 11.10.99).

"Joachim Heßlers ›Kaleidoskop #1‹ [...] konfrontierte [...] wagemutige Zuhörer mit Klangexperimenten, die bisweilen die Frage aufkommen ließen, ob das Vorgetragene den Bereich der Musik nicht schon verlassen hatte. Offenbar geht Joachim Heßler aber davon aus, dass Musik der ›Postmoderne‹ sich neben eklektisch zusammengefügten, freien Zitaten anderer Stile, Gattungen, Werke oder Komponisten auch mit Komponenten verbinden kann oder muss, die nicht zur traditionellen Musiksprache gehören: Vor allem der ›Perkussionspart‹ der Komposition mit ›singenden Schläuchen‹, allerlei scheppernden, schwingenden und klirrenden Gerätschaften [...] sorgte für Aufmerksamkeit, bisweilen auch für ungläubiges Lächeln. [...] Das beste Heilmittel gegen unsere Lust, Kunst definieren zu wollen, ist — das hat die Musik dieses Abends [...] gezeigt — scheinbar die Kunst selbst: Sie entzieht sich bekannten Kategorien, bricht immer wieder Gewohnheiten auf und verhilft denen, die es sich auf dem Ruhekissen ihres Geschmacks allzu bequem gemacht haben, zu einem Neubeginn" (Borkener Zeitung vom 12.10.99).



Heßler & Schubert

"Heßler & Schubert ernteten Begeisterung" (Rheinische Post, 07.07.2009).



Heßler & Töpp

"Renaissancemusik und Maschinenklänge gepaart mit Tanz-Performance in eindrucksvollem Raum. [...] Drei Künstler, die Tänzerin Bettina Rutsch, der Pianist Hans-Joachim Heßler und der Gitarrist Thorsten Töpp wagten die Konfrontation der Extreme mit den Klängen der Canción del Emperador. [...] Das Fazit des Abends: Erfrischend anders, beeindruckend für alle Anwesenden, wiederholungsbedürftig" (TOP-Magazin, Oktober 2009).



"»Musik trifft Werkstatt« hieß die originelle Vorführung, die neben Klavier, Keyboard, zwei Saxophonen und diversen Rhythmusinstrumenten auch noch mit Sägen, Feilen, Schlagbohrmaschinen, einer Spritze für Silikonabdichtungen und fünf aufziehbaren, hektisch vor sich hinpickenden Blechvögeln besetzt war. Doch nicht genug damit, dazu versteckten sich die meisten Akteure bei ihrem musikalischen Tun auch noch in mehr oder weniger großen Holzkisten, so dass die Zuhörer die Geräusche, die darin erzeugt wurden, zwar wahrnehmen, aber nur in den seltensten Fällen irgend einem bestimmten Instrument oder Tischlerwerkzeug zuordnen konnten. Lediglich wenn während der Vorführung hin und wieder mal ein Sägeblatt, eine Feile oder ein Bohrer aus der Kiste hervorstach, wurde die musikalische Rolle der holzverarbeitenden Handwerkzeuge sichtbar. Ansonsten rappelte, klopfte, quietschte und gluckerte es unsichtbar, aber durchaus rhythmisch aufeinander abgestimmt in den Kisten, während Dr. Heßler [...] das ganze Konzert aus vielen unterschiedlichen musikalischen Segmenten zusammengefügt hatte und auch weitgehend mit seinem Klavier und Keyboard gestaltete..." (Jutta Langhoff in der Rheinischen Post vom 10.11.10).



Heßler & Mingus

"Mit seiner Dissertation leistet Hans-Joachim Hessler einen wissenschaftlichen Beitrag zum Jazz des letzten Jahrhunderts,der sich in erfrischender Weise von den sonst zuhauf vorliegenden narrativen Darstellungen absetzt und einige Paradigmen der aktuellen Jazzforschung infrage stellt. Sein Beitrag ist überfällig […] und […] seine Erkenntnisse [können] als Grundlage für weitere spannende Forschungsvorhaben dienen" (JAZZ'N'MORE 05/2013, S. 65).

"...eine ambitionierte Studie zur Persönlichkeit und Musik von Charles Mingus" (Dr. Wolfram Knauer, Leiter des Darmstädter Jazzinstituts).

"…eine außergewöhnliche Rezeptur aus musikbiographischem, philosophischem wie auch musikwissenschaftlichem Verständnis, welche dem aufmerksamen Leser einiges abverlangt, dabei aber völlig neue Horizonte erschließt" (Ray Finkenberger-Lewin im Recording-Magazin 4/2011).

"Dann aber faszinieren weite Zusammenhänge: Ein Mingus-Stück wird im Doppel mit Richard Strauss analysiert; Mingus' Autonomiestreben landet neben US-Politik und Adorno, seine tätliche Wut neben Psychoanalyse. Wobei es noch ein Thema gibt, nämlich: den Aufbruch verfemter "Negermusik" zur Tonkunst - hier abgehandelt mit der Ausschweifungsfreude eines Virtuosen" (Wiener Zeitung vom 7. Juli 2011).

"Heßlers großes Verdienst ist es, dass er konsequent aufzeigt wie Mingus seine Musik zum Ausdruck des sozialen Protestes machte. Und so sind die eindrucksvollsten Passagen dieses Buches jene, in denen er Schlüsselwerke von Mingus in den geschichtlichen Kontext der McCarthy-Ära, der Bürgerrechtsbewegung und des Kampfes der Afroamerikaner für Gleichberechtigung stellt. Er würdigt den Freigeist Mingus, seinen zivilen Ungehorsam, und er beschreibt den Bassisten als Gründer einer eigenen Plattenfirma, der die Produktionsbedingungen seiner Musik in die eigenen Hände nahm" (Günther Huesmann am 05.05.11 im NOWJazz-Magazin, SWR2).

Heßler "konfrontiert den Leser mit dem bedrückenden Rassismus in den USA und kann schlüssig erklären, wie womöglich dieser Rassismus die Brüche in Mingus' Musik bewirkt hat" (Dr. Michael Kuhlmann in der DLF-Sendung JazzFacts vom 20.05.11).

"Heßlers Buch führt vor Augen, was Charles Mingus für die Ohren sein kann. Was der Autor aus nur einem Musikstück herausliest, zeigt, wie wenig Substanz manch Jazz heute dagegen hat [...]. Die Lesemühe lohnt" (Henry Altmann in der Sendung PlayJazz! vom 21.07.11, NDR-Info).

"Elementare Lesefreude: Es gibt Bücher, die eine wahre Fundgrube an Storys, Informationen und Analysen sind und sich als profunde Auslöser für neue Denkanstöße erweisen" (Gerd Filtgen im Fono-Forum 10/2011).

"Die vorliegende Dissertation dürfte das umfassendste wissenschaftliche Werk über Charles Mingus sein, zumal in deutscher Sprache. [...] [Es] erfolgt die Einordnung eines der wichtigsten Vertreters der freien Musik, die umgangssprachlich "Jazz" genannt wird, in interdisziplinarische Strukturen; unter diesem Aspekt wurde Mingus wohl noch nie betrachtet. Das Werk geht weit über biographische Beschreibungen hinaus, [...] erarbeitet stattdessen viele Fragestellungen zur politischen, gesellschaftlichen, soziologischen und psychologischen Bedeutung musikalischer Phänomene" (Bernhard Hefele im IFB 20, 2012).

"[Der Leser] erfährt allerdings mehr über die amerikanische Gesellschaft und den amerikanischen Bürger und Musiker Charles Mingus jr., als Musikerbiografien gewöhnlich preisgeben. Heßler [...] zeichnet die Jugend des Bassisten nach - und koppelt dabei auf die Möglichkeiten eines schwarzen Jungen zurück, dem in einer rassistischen Welt eine Musikerkarriere in der klassischen Musik versagt blieb, der sich eine schwarze Identität erarbeitete und sich andererseits zeitlebens von der europäischen, sogenannten "klassischen" Musik inspirieren ließ. Er zieht biografische Fakten heran, greift illustrierend auf Texte der Beat-Autoren zurück und macht, was die wenigsten Jazz-Biografen tun: Er analysiert die Kompositionen anhand von Noten. [...] Nach der Lektüre der 589-seitigen Untersuchung hört man Mingus' Werke anders als zuvor" (RONDO 1/2012, S. 35).

"[Das Buch] bietet [...] fundierte Analysen von Mingus' Kompositionsstil vor dem Hintergrund einer US-amerikanischen Gesellschaft, in der dieser kreative Unruhestifter keinen Frieden finden konnte. Die Musik eines Freigeistes, der mit seinen Tönen für Gleichberechtigung und gegen einen immer noch erschreckend präsenten Rassismus kämpfte. Im Titel lehnt sich dieses Buch daran an, dass Mingus sich in früher Zeit "Charles ‚Baron' Mingus" nannte - in Anlehnung an sein Idol Duke Ellington. Ellington, der große Jazzkomponist, der als erster Jazz zur Kunstmusik erhob, hieß eigentlich Edward Kennedy Ellington - und wegen seiner feinen Manieren nannte man ihn Duke, den Fürsten. Neben ihm gab es schon einen Grafen: William ‚Count' Basie. Blieb für Mingus also der Titel eines Barons. Den nahm sich der junge Musiker, um sich damit vor seinem Idol Duke Ellington zu verbeugen - und um zugleich den Jazz als hohe Kultur zu propagieren. [...] Über "Pithecanthropus erectus" und andere zentrale Stücke von Mingus sind in dem vorhin erwähnten Buch von Hans-Joachim Heßler, "Der zornige Baron", ausführliche Betrachtungen, nicht zuletzt anhand von Notenbeispielen, zu lesen. Das lohnt sich auf jeden Fall. Da wird Manches klarer, was man vorher vielleicht nur so ungefähr wusste" (Roland Spiegel in der Sendung "Klassik plus" auf BR-Klassik unter dem Titel "Der Ungezähmte: Porträt des Jazzmusikers Charles Mingus" vom 22.4.2012).

"...mit einer Fülle von interessanten Informationen..." (Henning Sieverts in der Sendung "Jazztoday" vom 23. April 2012, Bayerischer Rundfunk).

"Der passive Widerstand, aber auch das unbändige Aufbegehren durchziehen das Werk dieses Musikers, der erfahren hat, was es bedeutet, unten, und das ist nicht nur im sozialen, sondern auch im seelischen Sinne zu verstehen, unten angekommen zu sein. Und natürlich spielt die Rassenproblematik hinein, die Orientierung eines komplexen Charakters in einem komplizierten sozialen Beziehungsgefüge. All das hat Hans-Joachim Heßler in einem bemerkens- und lesenswerten Buch beleuchtet [...]. Multiperspektivisch beschreibt und analysiert Joachim Heßler Charles Mingus als eine in mehreren Koordinatensystemen verankerte und auch deshalb in seinem Schaffen äußerst vielseitige bzw. diskontinuierlich arbeitende Künstlerpersönlichkeit" (Bert Noglik in der Sendung "Classics" vom 28. Juni 2012, MDR-Figaro).

"Michel Foucault und Jean François Lyotard stehen im Zentrum [...]. Denn Heßler nimmt Abstammung, Leben und Werk Mingus' gründlich auseinander, mit Modellen aus verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen, Soziologie, Psychologie, Geschichte, Erkenntnistheorie" (Henry Altmann in JAZZTHETIK 11+12/11, S. 66-67).



Heßler & Lyotard

"In der ersten Hälfte des Buchs werden - durchaus verständlich - wichtige Grundbegriffe der Philosophie Jean François Lyotards geklärt: sein pluralistisches Postmoderne-Verständnis in Abgrenzung von Charles Jencks Eklektizismus, seine auf »Widerstreit« basierende Diskurstheorie sowie seine an Immanuel Kant anknüpfende Ästhetik des Erhabenen und - im Rekurs auf Friedrich Nietzsche - des Lachens. In der zweiten Hälfte werden einige ausgewählte Werke von John Cage und Mauricio Kagel unter Verwendung der zuvor erörterten Philosopheme beschrieben. [...] Heßlers Buch ist eine Einführung in die Ästhetik Lyotards [...]. Ein mutiger Gegenentwurf zu Theodor W. Adornos durch die serielle Nachkriegsavantgarde vereinnahmter Philosophie der neuen Musik..." (Rainer Nonnenmann in der Neuen Zeitschrift für Musik 6/2002, S. 82).

"Aber die Postmoderne in der Kagel'schen Spiel-Art gerierte sich so methodeneifrig, ja -fromm, dass ihr revolutionäres Programm fast unauffällig vonstatten ging. [...] Und natürlich wanderte das rasch wachsende Oeuvre Kagels durch alle anfälligen Aktualitäten. Anstand die Theatralisierung der Instrumentalaktion, exemplarisch vorgeführt in der Triokomposition Match, die von H.-Joachim Heßler in einer philosophisch grundierten Analyse kürzlich als Veranschaulichung des Lyotard'schen "Widerstreits" verschiedener Diskursarten gedeutet wurde" (Hans-Klaus Jungheinrich in der Frankfurter Rundschau vom 24.12.2001 anlässlich des 70. Geburtstages von Mauricio Kagel).

"Sehr zu recht konstatiert Heßler, dass Theodor W. Adornos Musikphilosophie bereits viele Phänomene des 20. Jahrhunderts nicht mehr adäquat reflektiert. [...] Den »zwanghaften« Zügen des Materials bei Adorno setzt Heßler den flexibilisierten Materialbegriff bei Jean-Francois Lyotard [...] entgegen. Für den französischen Philosophen ist musikalisches Material anscheinend nichts weiter als physikalisch messbare Luftschwingung..." (Hans-Klaus Jungheinrich im Titel-Magazin vom 27.07.2012).



Heßler & Spiegel im Spiegel

"Kaum jemand weiß, dass Michael Ende, der geniale Schöpfer der Unendlichen Geschichte, auch Texte für Erwachsene geschrieben hat - etwa seinen Prosaband Der Spiegel im Spiegel, einer Folge von absurden, surrealen, unsere gewohnte Wahrnehmung auf den Kopf stellenden Betrachtungen. Das Spiegeln hat auch den Komponisten und Pianisten Joachim Heßler fasziniert - schließlich sind Spiegelungen, Umkehrungen und Kanons schon seit dem Mittelalter bekannte musikalische Techniken. Heßler spiegelt vier Erzählungen aus Endes Werk mit musikalischer Raffinesse und verbindet komponierte und freie Passagen so kunstvoll, dass der Berliner Tenorist Matthias Schubert, der mit seiner ungeheuren Bandbreite zu den stärksten Saxophonisten Deutschlands zählt, seine ganze Emotionalität ausspielen kann. Ein schillernder Reflex, der, von Ende angeleuchtet, die Dimensionen sprengt" (Traumzeit, 06.07.2009)

Die "Mitwirkende[n] verbinden komponierte und freie Passagen zu einer traumhaften Klangwelt..." (Coolibri 4/2012, S. 28).

"Wenn nun ein Musiker eine programmatische Improvisation aus dem Zyklus [Spiegel im Spiegel von Michael Ende] unternimmt, schließt sich der Kreis zwischen Malerei, Literatur und Musik. [...] Als Grenzgänger zwischen zeitgenössischer Komposition und freier Improvisation widmet sich Heßler seinem Ansatz der »konzeptionellen Diskontinuität« in kreativer Fülle, musikalischer Finesse, hoher emotionaler Dichte und zum Teil fast verstörender Intensität, schafft so ein eigenes Labyrinth der Spiegelungen, surreal, poetisch, erfüllt von warmen Licht" (Tobias Böcker im Jazzpodium 7-8/2012, S. 84).

"Hauptsache jedoch, es ist gut. Und das ist es. In Endes Text »Schweres schwarzes Tuch« (Stück 2) geht es um einen Tänzer, der auf seinen Auftritt wartet, der nie stattfinden wird. Dieser Tanz, so steht es bei Ende, soll »mit einem mächtigen Paukenschlag« beginnen. Im kunstvoll auf der Stelle tretenden Text bleibt der erlösende Paukenschlag aus. Die Musik jedoch liefert ihn nach exakt 6:29 Minuten, und dann beginnt der Tanz: wild, ausgelassen. Filigran zieht die Musik die Spuren nach, die in einem anderen Text Endes ein Schlittschuhläufer mit seinen Schlittschuhen in den Himmel zieht (Stück 4). Hier überraschen schöne Wechsel: In der Mitte dieses Musikstückes gibt es eine Passage, die sich zunächst gängig eingängig nach vollklimatisierter Hotellobby-Musik in Las Vegas anhört. Wie sich dann aber aus dem Dialog mit dem Klavier (Heßler) das Tenorsaxophon (Matthias Schubert) freimacht und schräge Eigensinnigkeit in höchsten Tönen zelebriert - das hat Klasse" (Jens Sparschuh, DER TAGESSPIEGEL Nr. 21399 vom 22. Juli 2012, S. 28).

"Ideologien in Bezug auf eine «zeitgenössische» Klangsprache sind dem Komponisten Hans Joachim Heßler fremd. Seine Stilsouveränität erlaubt es ihm, sich auf das Changieren zwischen Freitonalem und Tonalem, zwischen Komponiertem und Improvisiertem, zwischen Zitiertem und Originalem einzulassen. Dies dokumentiert der Komponist eindrücklich auch in seinen vier programmatischen Improvisationen «Spiegel im Spiegel». Dass Ironie und Satire Heßler nicht fremd sind, wird in den programmatischen Improvisationen zu Michael Endes Texten deutlich. Ein Vorläufer der surrealistischen Ader Heßlers zeigt sich im Streichquartett «Tanz im Vogelkäfig», das mit Flamenco-Klängen folkloristische Allusionen zulässt. Das Orchesterstück «Nabuli Tintin» von 1999 verrät einiges über Heßlers stets auf der Suche befindliche und über eine große Bandbreite verfügende Komponistenseele. Als Hommage an Arvo Pärt, dessen Tintinnabuli-Stil (Glöckchenspiel-Stil) in den 1970er-Jahren aus der von ihm als zukunftslos empfundenen Moderne hinausführte und einen neuen kompositorischen Weg öffnete, legt «Nabuli Tintin» Zeugnis ab von den vielfältigen Möglichkeiten des «postmodernen» Komponierens" (Dr. Barbara Dobretsberger im Glarean Magazin vom 6. Juli 2012).



Heßler & Klavier

"[Hans-]Joachim Heßler entfacht archaische Allegros auf seinen Tasten [...]. Doch den Trommelfell-strapazierten Passagen folgen etwa harmonische Klavier-Soli, die wie ein stillfließender Fluß den aufgeschreckten Zuhörer beruhigt" (WAZ Herten vom 31.10.92).

"Wie körperlich erlebbar Musik sein kann, erfuhren Zuhörer durch [Hans-]Joachim Heßlers Klaviersolo, bei dem der Pianist vollkommen eins mit seinem Instrument zu werden schien" (Ruhr-Nachrichten Dortmund vom 18.5.94).

"[Hans-]Joachim Heßlers leidenschaftliches Melancholie und Trance und das hymnische Erwachen (...) und seine Solokomposition für Klavier Ballade Nr. 1 - Ritmico fesselte durch energischen Vortrag und theatralische Dramatik" (Westfälisches Volksblatt vom 7.11.94 anlässlich der Tage Neuer Musik in Paderborn).

"Gleichzeitig oder auch abwechselnd zerlegte [Hans-]Joachim Heßler am Flügel die harmonischen Überbleibsel in fremdartig klingende Sequenzen. Aus dieser abstrakten und disharmonischen Klangwelt wieder in eine Sphäre voll ergreifender harmonische Schönheit zu finden, war für das Publikum ein sicher nicht erwartetes Klangerlebnis. Dem Zuhörer bleiben mit dieser Veranstaltung vielfältige Möglichkeiten für ein neues Musikverständnis offen. Es ist hier ebenfalls deutlich geworden, daß ein Überschreiten der Grenzen sich nicht in einem Klangwirrwarr zu verlieren braucht" (Neue Westfälische vom 7.11.94).

"Musikalische Kontraste und Gemeinsamkeiten wollte Hans-Joachim Heßler [...] anlässlich der [...] Einweihung des gespendeten, neuen Bechstein-Flügels in der Pauluskirche [...] präsentieren. [...] Barock, Neue Musik, Orient, Okzident: Dass diese Form der Konfrontation auch viele Berührungspunkte offenlegt, zeigte Heßler [...] am Sonntagabend. [...] Die Zuhörer erfreuten sich an der temperamentvoll tönenden Gluthitze mit melancholischer Unterströmung. [...] Der außergewöhnliche Künstler hatte einen hoch spannenden, musikalischen Abend präsentiert und das Publikum voll überzeugt" (Westfälischer Anzeiger vom 2.11.2012).

"More than 777 Years – die neue CD des Pianisten, Komponisten und Musikwissenschaftlers Hans-Joachim Heßler ist ein Streifzug durch die Musikgeschichte von mehr als 777 Jahren. Die Reise per Piano solo reicht vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, doch sie ist mehr als eine bloße Aneinanderreihung ausgewählter Werke verschiedener Epochen. Heßler bewegt sich nicht nur zeitlich zwischen ganz unterschiedlichen Stilen, sondern auch räumlich: zwischen Westen und Osten, Okzident und Orient. Der Italiener Domenico Scarlatti, einer der bedeutendsten Vertreter des Barock, oder der französische Impressionist Claude Debussy stehen für die westeuropäische Musiktradition. Der Ungar Béla Bartók bildet mit seiner Musik, die sehr stark von der Folklore Osteuropas beeinflusst ist, eine Brücke in den Orient. Ein türkischer und ein jüdischer Tanz, beides Eigenkompositionen Hans-Joachim Heßlers, repräsentieren die Klangwelt des Nahen Ostens. Trotz aller Verschiedenheit der einzelnen Stücke ist »More than 777 Years« ein Album aus einem Guss. Der Pianist improvisiert viel und interpretiert die Werke so, dass die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund treten. Mit seiner »Danse Espagnole«, dem spanischen Tanz, schafft er nach Vorbild von Händels berühmter Sarabande die Synthese von Alt und Neu, West und Ost. Wer in Heßlers neuer Einspielung musik- und religionsgeschichtliche Zusammenhänge sucht, wird fündig. Die Werkauswahl bietet genügend Stoff zum Philosophieren. Genauso gut lässt es sich mit der CD aber einfach entspannen – Klaviermusik zum Genießen" (Dresdner Universitätsjournal 16/2014, S. 12).

"Ein hoch ambitionierter Plan: 777 Jahre Musikgeschichte einzudampfen auf die klar begrenzte Spielzeit einer CD, mehr noch, dem Dialog vier bestimmender Elemente der kulturellen Herkunft des Westens - Judentum, Antike, Christentum und Islam - von seinen Wurzeln bis in die Gegenwart nachzuspüren auf dem wohl westlichsten aller Instrumente, dem Klavier. Hans-Joachim Heßler, bekennend postmoderner Musikwissenschaftler, Komponist, Musiker und Wandler zwischen den Stilwelten nimmt sich für seine Improvisation über die Musikgeschichte vom Mittelalter bis heute Kompositionen ganz unterschiedlicher Provenienz zum Ausgangspunkt: Von Josquin Desprez bis zu Arvo Pärt reichen die Inspirationen, von der Renaissance bis zu Abdullah lbrahim, von Händel und Scarlatti bis zu Debussy und Bartok. Türkische, jüdische, spanische und afrikanische Einflüsse finden sich da in einer einzigartigen, sehr persönlichen und intensiv nachzuempfindenden Verschmelzung zugleich fremd wie nah beieinander liegender Motive, Melodien, Harmonien und Rhythmen in sehr abwechslungsreicher, Raum und Zeit überwindender musikalischer Integrationsfähigkeit" (Tobias Böker im Jazzpodium 7/2014, S. 72).

»777 – eine Zahl als Motto: In seiner neuen CD improvisiert und komponiert sich Hand-Joachim Heßler durch mehr als 777 Jahre Musikgeschichte. Was aber hat es mit der magischen Zahl auf sich? Da bietet sich ein reiches Konnotationsfeld an: eine heilige Zahl (Judentum, Christentum, Islam), die auf Weisheit, ein hohes Alter, den siebten Himmel oder auf die Zusammensetzung aus den gleichfalls magischen Zahlen 3 (z.B. Vollkommenheit, Dreieinigkeit) und 4 (z.B. vier Elemente, vier Himmelsrichtungen) hinweisen kann. Der Zusammenhang mit den eingespielten Stücken bleibt offen und soll es vielleicht sogar bleiben. Zehn Stücke sind auf der CD versammelt – sie spannen einen Bogen quer durch die Jahrhunderte, und sie umschließen musikalische Ästhetiken vom Orient bis zum Okzident. Die letzte Nummer, „Southafrican Aura“, dehnt den selbst gesteckten geografischen und musikalischen Rahmen aus. Die Verschmelzung europäischer und orientalischer Einflüsse in der Musik ist ja keineswegs neu, und berechtigterweise könnte man sich fragen, was dem Repertoire hier noch hinzugefügt werden könnte. Mittelalterliche Musik, Janitscharenklänge und osteuropäische jüdische Volksmusik sind uns als Inspirationsquellen für die zeitgenössische Musik mittlerweile derart gut vertraut, dass deren Verwendung schon fast als Platitüde gelten könnte. Ein Generalverdacht? Mitnichten. Statt dessen fragen wir uns, was ein Komponist oder ein improvisierender Pianist mit diesem „Material“ anstellen muss, damit wir aufhorchen und zum Hinlauschen bereit werden. Er, der Pianist, muss die Fähigkeit mitbringen, unsere Aufmerksamkeit in den Bann zu schlagen. Und dieser Bann speist sich im Falle von Hans-Joachim Heßler aus zwei Komponenten. Zum einen ein stupender und höchst individueller Umgang mit dem Klavierklang: unglaublich direkt, fast rau geht Heßler mit dem Instrument um. Da wird nicht weichgezeichnet, nicht geschmeichelt, nicht um die Gunst des Publikums geworben. Vielmehr vermittelt diese Direktheit einen tiefen Ernst des musikalischen Anliegens, so als ob der Mann am Klavier uns einfach etwas Wahres erzählen möchte. Geschichten, die uns nicht ganz neu sind, Geschichten, denen wir als Zuhörer aber immer wieder von Neuem folgen und zustimmen. Danse de la Renaissance eröffnet den Reigen der Improvisationen. Ausgangspunkt ist ein Lied des Renaissance-Komponisten Josquin Desprez mit dem sprechenden Titel „Mille Regretz“ (Tausendfaches Bedauern). Dieses Lied wurde 100 Jahre nach seiner Entstehung vom spanischen Komponisten Luys de Narváez bearbeitet und als Canción del Emperador Kaiser Karl V. gewidmet. Heßlers Improvisation über die Komposition von Narváez wird so zur Musik über Musik über Musik, vielschichtig und vieldeutig. In der Improvisation sur une sonate de Domenico Scarlatti hören wir vertraute Klänge des Barock. Ganz allmählich verlässt Heßler die anfänglich fast bieder gestaltete Stilimprovisation, und wie er dann sukzessive die Harmonik der Klassik, der frühen und späten Romantik, des Impressionismus und letztendlich des Jazz aus den Klängen der „galanten“ Sonate entwickelt, ist absolut faszinierend. Die Kugelgestalt der Zeit schließt sich um das Werk, indem Heßler den Hörer wieder in die Barockzeit zurückführt. Wollte man es banal ausdrücken, könnte man von einer Rahmenform sprechen; wagt man sich in die Zahlenmystik vor, könnte man die Zahl 777 als Ausdruck der Unendlichkeit für diese Improvisation als Motto erkennen. Zeitlich am weitesten zurückliegend ist das musikalische Material des Danse médiévale. Allerdings scheint weniger die Anlehnung an einen mittelalterlichen Tanz im Zentrum zu stehen als die Hommage an Arvo Pärt und dessen Tintinnabuli-Stil. Das „Glöckchenspiel“ (lateinisch Tintinnabulum) wurde zum nicht unumstrittenen Markenzeichen Pärts; Heßlers Improvisation bricht allerdings Pärts Ästhetik in wohltuender Weise auf. Danse médiévale kann auch als Zeugnis einer ununterbrochenen Fortsetzung der Beschäftigung Heßlers mit Pärt verstanden werden. Mit Händel, Debussy und Bartók werden dezidiert europäische Komponisten als Mentoren für die Improvisationen genannt. Händels „Ohrwurm“, die Sarabande aus der d-Moll-Suite HWV 437, erklingt auf der CD zuerst einmal unverändert, bevor sich Heßler in eine fast zehnminütige Improvisation, Danse espagnole, vertieft. In der Melodik und in der Rhythmik statisch, scheint diese Sarabande alle Möglichkeiten für weitschweifende Umspielungen zu geben. Dass Heßler aber im Verlauf seiner Improvisation immer wieder zur Urquelle, dem stilisierten spanischen Tanz, zurückblendet, verleiht dieser Nummer formal eine zugleich straffe wie auch extravagante Note. Das Ballet Debussy wählt eines der Préludes („Les collines d´Anacapri“ – Die Hügel von Anacapri) von Debussy als musikalisches Ausgangsmaterial. Dass auch hier Heßler nicht in der Harmonik des Impressionismus verharrt, versteht sich von selbst. Das Ballet Bartók hält, was der Titel verspricht: Eine direkte Würdigung Bartóks, der sich als eifriger Sammler von Volksmelodien verschiedener Länder einen Namen machte. Die Rhythmen der Volkstänze Rumäniens, Bulgariens und des vorderen Orients klingen uns hier entgegen. Im Danse turque und im Danse juive werden Themen aus türkischen bzw. osteuropäisch-jüdischen Volkstänzen aufgegriffen. Im Danse turque spielt Heßler nicht nur Klavier, sondern auch die Fußtrommel Cajón. Das Klangvolumen und die klangliche Vielfalt des Klaviers werden so immens erweitert. Dass Heßler seine CD mit der Nummer Southafrican Aura abschließt, ist eine verbindende Geste in Richtung Südhalbkugel dieser einen Erde – offensichtlich sollen nicht nur Orient und Okzident musikalisch (und vielleicht auch anders) verbunden werden. Dass in diesem Schlussstück der südafrikanische Komponist und Pianist Abdullah Ibrahim (alias Dollar Brand) gefeiert wird, verrät das Booklet zur CD. Allerdings gilt auch hier wie für die anderen Stücke, dass fast zur Nebensache wird, woher das Ausgangsmaterial kommt, weil Heßler, wie es scheint, alles, was sich anbietet, mit der gleichen Ernsthaftigkeit und Liebe seinen musikalisch-improvisatorischen Betrachtungen zuführt.« (Dr. Barbara Dobretsberger im Glarean Magazin vom 3. September 2014)



Heßler & Orgel

"Originelle Geschichten über Musik und Musiker" titelt Rudolf Hermes in der WAZ Duisburg vom 8. August 2014: "Mit einem ungewöhnlichen Konzept trat Dr. Hans-Joachim Heßler beim »Sommerlichen Orgelkonzert« in der Hamborner Friedenskirche an. Bei ihm drehte sich alles um »Komponisten und Kompositionen des Ruhrgebiets vom Mittelalter bis heute«. Geographisch konzentriert sich Heßler auf Essen, Dortmund und Duisburg und geht dabei auch einen Weg durch die Jahrhunderte. Vom Werdener Damenstift wechselte er […] in das Dortmund der Renaissance. […] [Es gibt] Wissenswertes, zum Beispiel dass die Melodien »Wie schön leuchtet der Morgenstern« oder »Wachet auf, ruft uns dies Stimme« vom Dortmunder Philipp Nicolai stammen. Oder dass Jacques Offenbachs Cello-Lehrer Joseph Alexander Professor an der alten Duisburger Universität war. Hübsch sind auch die Berichte des Duisburger Rechtsanwaltes Adolf Lentz über seinen Freund, den berühmten Komponisten Max Reger, der [ihm] sogar die »Träume an Kamin« gewidmet hat. Heßler betont die harmonischen Wagnisse dieses […] Stückes nachdrücklich. Zum Abschluss gibt es zweimal »Heßler pur«: »In seiner Impression Nr. 1« kombiniert er Orgelklänge mit zugespieltem Großstadtlärm, und in »Ritmico« greift er orientalische Rhythmen und Melodien auf. Wie er da mit der rechten Hand auf diversen Perkussionsinstrumenten trommelt, während die linke Hand und die Füße die Orgel bedienen ist schon eindrucksvoll."

"Ein Dauerbrenner der Kirchenmusik" (Wicho Herrmann-Kümper, Unsere Kirche, Nr. 9, 23. Februar 2014, S. 18).

"Mit seinen Sternsekunden brachte er die ehrwürdige Faust-Orgel der Hülser Pauluskirche zum Leuchten: Dr. Hans-Joachim Heßler lotete die Möglichkeiten des pneumatisch betriebenen Instruments mit einem adventlichen Konzert aus" (Jürgen Wolter in der WAZ vom 18.12.2013).

Die Rheinische Post bezeichnet "A.C.D.E.B. (Hommage à Achille-Claude Debussy)" als stimmungsvolles Stück. "Das Publikum war begeistert" (RP, 19.08.11).

"Am Tag des Offenen Denkmals ging es in der Pauluskirche Marl-Hüls auch um die Faust-Orgel von 1914. Seit Mitte der 80er Jahre ist sie denkmalgeschützt, seit 1987 von Grund auf restauriert - im ursprünglichen, spätromantischen »Sound«, in dem der berühmte Schwelmer Orgelbaumeister Paul Faust [...] seine (pneumatischen) Orgeln baute. [...] Der Dortmunder Organist Joachim Weiß [...] ließ aus den melodien- und farbenreichen Kompositionen wunderbare Klanggemälde entstehen. Mit den schwellenden dynamischen Möglichkeiten der Orgel interpretierte Weiß ebenso unvergesslich [...] [Hans-]Joachim Heßlers »Irritationen« und »Nabuli Tintin«" (Marler Zeitung vom 10.10.1999).

"Hans-Joachim Heßlers meditative Beschwörung des göttlichen Funkens »Evocation Nr. 2« präsentierte weitere Facetten zeitgenössischer Musik" (Westfälischer Anzeiger vom 04.08.2009).

"Letmather Dommusik [...] Der Nachmittag stand unter dem Motto »Klangwolken«, ein Konzert für Perkussion und Orgel. In der Musiklandschaft ist diese Kombination recht ungewöhnlich. Martin Brödemann (Orgel) und Sarkis Cat (Perkussion) spielten neben Eigenkompositionen Stücke zeitgenössischer Komponisten. [...] Martin Brödemann und Sarkis Cat harmonierten perfekt miteinander, setzen jedem Stück einen eigenen Stempel auf, wobei besonders Martin Brödemann die Orgel des Lennedomes in ihrer Klangvielfalt voll ausnutzte. Mal nuanciert wie in der »Toccata minimal«, mal aufbrausend und tobend wie in der »Hommage an Claude Debussy« [von Hans-Joachim Heßler]. [Die] Konzertbesucher lauschte[n] fasziniert den eigenwilligen Kompositionen" (Der Westen, 22.03.2010).

"»A.C.D.E.B.«: Die Initialen des französischen Impressionisten lieferten das in Variationen wiederholte Tonfolgen-Muster für Hans-Joachim Heßlers Hommage an Achille-Claude Debussy" (Westfälischer Anzeiger vom 24.10.2010).

"Das ungewöhnliche Duo [Cat/Brödemann] lässt aufhorchen: Die Kombination aus Orgel mit ihren hellen und dunklen Registern und Klangfarben mit orientalischen Perkussionsinstrumenten eröffnet neue Klangwelten, verbindet alte Formen und rhythmische Strukturen zu ganz neuen Klangerlebnissen. [...] Auch die Hommage an Achilles-Claude Debussy von Hans-Joachim Heßler unterstreicht den spezifisch impressionistischen Klang durch dunkle Orgelfarben und südostasiatische Klangschalen und Gongs" (WAZ, 28.05.2012).

"Die Sternzeichen als kurze Orgel-Impressionen - hell aufleuchtend, um dann schnell zu entschwinden - setzten Heßlers Sternschnuppen-Gedanken akustisch um. Von den tönenden Bocksprüngen des Widders bis zu den gurgelnd blubbernden Orgel-Fischen reichte das Spektrum. [...] Schließlich brachte Heßler das Konzert mit dem eigenen »Per Paertuum Mobile« zum fulminanten guten Ende. Arvo Pärts Beschäftigung mit mittelalterlicher Musik hatte hier inspirierend Pate gestanden für die minimalistisch-meditative Komposition" (Westfälischer Anzeiger vom 21.08.2012).

"[Hans-Joachim Heßler] eröffnete [...] das Konzert mit einer eigenen Variatio über den Adventchoral "Es kommt ein Schiff", wobei er in den Variationen auf mittelalterliche Modalität sowie den Rhythmus der Sarabande [...] zurückgriff und das Ganze stilistisch gekonnt miteinander verband. [...] In einer Meditation über "Wie schön leuchtet der Morgenstern" brachte er den Morgenstern mit wahren Klangkaskaden zum Erstrahlen..." (Malte Hemmerich in der WAZ Herne vom 3. Dezember 2012).



Heßler & Orchester

"Interessante Experimente ließen bei [Hans-]Joachim Heßler [...] aufhorchen, dessen zahlreiche Orchesterwerke mit »Le Différend« überschreiben sind. [...] So »streiten« sich denn in »Le Différend XXI« die einzelnen Instrumente auf polyphone Weise" (Fuldaer Zeitung vom 18.10.1999).

"Gespielt wurden ausschließlich Werke zeitgenössischer Komponisten [...] wie etwa »Le Différend XXI« von [Hans-]Joachim Heßler [...]. [Es] herrschte aufmerksame Stille unter den jugendlichen Zuhörern" (Herborner Echo vom 31.10.1998).

"Die Gäste, überwiegend aus der Kunstszene, hatten das seltene Vergnügen, die spannende Verwandlung eines Ausstellungsraums [der Alten Lederfabrik] in einen phantastischen Klangraum zu erleben. Die Zuhörer ließen sich entführen und glitten hinein in die Traum-Welten der Musik [...] [wie] [...] bei der Hommage an Leonard Bernstein, genannt »HALB«. Diese präsentierte der zeitgenössische Komponist [Hans-]Joachim Heßler selbst als ein Werk zwischen den »Stil-Stühlen« mit südamerikanischer Folklore, rumänischen Rhythmen, aber auch mit verfremdeten Adaptionen aus der Romantik und Elementen des Neoklassizismus. Geleitet wurde das Orchester von Ovidiu Dan Chirila, dem Generalmusikdirektor der Philharmonie Kronstadt" (Kölner Stadtanzeiger vom 07.12.2000).